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Gut Aiderbichl-Archiv


Die dunkle Seite des Paradieses

affenhandel mauritiusTraumhafte Strände, eine üppige Vegetation, eine faszinierende Tierwelt und sagenhafte Hotelanlagen, die sich harmonisch in die bezaubernde Landschaft einfügen. Wer an die Urlaubsinsel Mauritius denkt, spart in der Regel nicht mit Superlativen. Es könnte alles wirklich so schön sein, gäbe es da nicht diesen blinden Fleck auf dem makellos erscheinenden Image der paradiesischen Destination. Denn neben den Einnahmen aus der Tourismusindustrie, bietet die Insel eine weitere, höchst lukrative Geldquelle: Den Handel mit Affen für Tierversuche.

Nach China ist Mauritius der weltweit zweitgrösste Exporteur für Langschwanzmakaken. Jahr für Jahr werden tausende der intelligenten und hochsozialen Primaten in kleine Holzkisten gesperrt und per Luftfracht rund um den Globus geschickt. Eine unvorstellbare Tortur für die verängstigten Tiere. Am Zielort angekommen - einem Tierversuchslabor in den USA, Frankreich, Grossbritannien, Spanien oder Deutschland - beginnt für die gebeutelten Seelen der eigentliche Albtraum, aus dem es für sie kein Erwachen mehr gibt.


Alleine im Jahr 2016 wurden 295 Affen von insgesamt 8'245 nach Deutschland exportiert. 1'512 gingen nach Frankreich, 1'477 nach Grossbritannien, 1'227 nach Spanien. Alleine die Vorstellung der vielen gequälten Tiere in einem Versuchslabor treibt mitfühlenden Menschen die Tränen in die Augen.

Der Gedanke an das Leid, das die Affen vor der Endstation ihres Lebens erdulden müssen, sprengt hingegen jede Vorstellungskraft. Doch um helfen zu können, muss man hinsehen. So haben verdeckte Recherchen des britischen Vereins Cruelty Free International das ganze Ausmass dieses lukrativen Geschäfts ans Licht gebracht. Mit Fallen werden die Langschwanzmakaken in der Wildnis gefangen und für die Zucht von zukünftigen Versuchstieren in regelrechten Tierfabriken eingesperrt. Affen für die es keine Abnehmer gibt, weil sie beispielsweise zu schwer sind werden getötet und wie Müll entsorgt.
Es ist nachvollziehbar, dass man solche Informationen eigentlich nicht braucht, weil sie einem wieder einmal ein Stückchen von der heilen Welt nehmen und einen ohnmächtig vor Wut , Schmerz und Fassungslosigkeit zurücklassen. Aber um wirklich etwas verändern zu können, muss auch über solche Dinge geschrieben und gesprochen werden. Immerhin haben weltweite Proteste dafür gesorgt, dass Air France als letzte europäische Airline noch Affen für die Tierversuchsindustrie transportiert.

Es bringt also etwas, seine Stimme zu erheben. Da die Regierung von Mauritius ein Gesetz auf den Weg gebracht hat, das die Ansiedlung von Laboren direkt auf der Insel - sozusagen an der Quelle - ermöglichen soll, wird das umso wichtiger. So könnte man beispielsweise einen freundlichen Brief an das Fremdenverkehrsamt schreiben, in dem man als Reisewilliger erklärt, dass man sich aufgrund der dunklen Seite des Paradieses für ein anderes Urlaubsziel entschieden hat.

 

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